Leitzins sinkt und Sparzinsen auch

Die Europäische Zentralbank hat im Sommer (2024) in zwei Etappen den Leitzins gesenkt. Der sogenannte Hauptrefinanzierungssatz liegt nach zwei Senkungen im Juni und im September jetzt bei 3,65 Prozent. Blickt man auf den Einlagenzins der EZB, so liegt dieser inzwischen bei 3,5 %. Vor einem Jahr, im September 2023, lag der Einlagenzins der EZB noch bei 4,0 Prozentpunkten. Das spüren inzwischen auch die Sparer. Viele Banken haben in den letzten Monaten ihre Sparprodukte angepasst. Sparbrief- und Tagesgeld-Zinsen wurden gesenkt.

Im ersten Augenblick scheint die Zinssenkung wenig schön für Sparer. Klaro, weniger Zinsen sind immer ärgerlich. Auf der anderen Seite der Medaille ist die Inflation in Deutschland in den letzten Monaten enorm gesunken. Im August 2024 lag die Inflation in Deutschland erstmals seit März 2021 mit 1,9 Prozent unter zwei Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Und auch in den restlichen Sommermonaten lag die Inflation deutlich unter dem EZB-Leitzins.

Die Lage für Sparer

Viele Banken geben aktuell den EZB-Einlagenzins von 3,5 Prozent an die Kunden weiter. Das bedeutet Tagesgeld-Angebote von rund 3,5 % sind derzeit mehrfach in der Tagesgeld-Top10 vorhanden. Bei den Sparbriefen sieht es ein wenig anders aus. Viele Geldhäuser erwarten in den nächsten Monaten weitere EZB-Zinssenkungen und gestalten entsprechend ihre Laufzeiten. Mit drei oder sechs Monaten Laufzeit, lassen sich derzeit (noch) schöne Sparzinsen mitnehmen. Bei Laufzeiten von 12 und mehr Monaten ist eine deutliche Zurückhaltung spürbar. Unsere Übersicht der Festgeld-Angebote gibt es hier.

Sparzinswende in 2024? Möglich!

Aktuell sind beim Tagesgeld noch mehr als 3,9 Prozent Sparzinsen möglich. Das zeigt ein Blick in unsere aktuelle Tagesgeld-Top10. Auch beim Festgeld sind mehr als 3,6 Prozent bei einer Laufzeit von 6 und mehr Monaten möglich.

Doch wie lange noch?

Die Inflation in Deutschland ist seit Monaten rückläufig. Im Februar 2024 lag sie bei 2,5 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Im Juli 2023 meldeten wir noch eine Inflation von über sechs Prozent. Zeitgleich sendet die EZB Signale aus, noch in diesem Halbjahr möglicherweise den Leitzins zu senken. Die Europäische Zentralbank-Chefin Christine Lagarde kann sich vorstellen im Juni eine neue Leitzins-Entscheidung zu treffen. Das sagte sie im Rahmen einer Rede in Frankfurt, berichtete der Nachrichtensender CNBC vor einigen Tagen. Bis dahin wolle man allerdings noch warten um bessere Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung zu erhalten. Aktuell liegt der EZB-Leitzins bei 4,5 Prozent.

Bei einer Leitzinssenkung im Sommer könnten viele Banken schnell nachziehen und Tagesgeld- und Festgeld-Angebote verschlechtern. Schon jetzt sind mehrere Aktions-Angebote, die auf wenige Monate befristet waren, ausgelaufen und wurden nicht verlängert. Während die Sparzinsen 2023 einen gewaltigen Schub nach oben erlebten, stagnieren sie laut unserer Top10 in den ersten drei Monaten 2024 weitestgehend.

Was tun?

Der Blick in die Glaskugel: Bei Festgeld-Angeboten von über 3,6 Prozent mit Laufzeiten zwischen 6 und 36 Monaten könnte eine Anlage für Sicherheit sorgen – sofern der Geldbetrag nicht benötigt wird. Beim Tagesgeld könnte es ab Sommer einen Abwärtstrend geben.